25 Jahre Clubgeschichte
Recherchiert und zusammengefasst von Elske Maurer
Während sich um die Ursprünge des Golfspiels viele Legenden ranken, und verschiedene Länder dessen Erfindung für sich reklamieren, ist die Gründung des Aschaffenburger Golfclubs fest mit dem Namen Ernst Brönner verbunden.
Inspiriert von ersten Golferfahrungen im Ausland, und mit dem Gespür für die auch in Deutschland aufkeimende Faszination für diesen Sport, suchte er Gleichgesinnte für die Verwirklichung seiner Idee vom Bau eines Golfplatzes im Aschaffenburger Raum.
Getreu dem Motto, dass Taten die Substanz des Lebens sind, schufen 94 Optimisten und Wagemutige 1977 über das von ihnen gewählte Präsidium die rechtlichen Voraussetzungen für die Entwicklung unseres Clubs. Herausragenden Anteil hieran hatte als Jurist das damalige Vorstandsmitglied Dr. Wolfgang Reuss. Noch jedoch war das Team um Ernst Brönner eine Truppe ohne Land. Die Suche nach einem geeigneten Gelände führte über Täler und Höhen des Spessarts und ging auch durch emotionale Höhen und Tiefen. Bei manch vielversprechendem Terrain glaubte sich die Clubführung am Ziel ihrer Wünsche, doch Detailverhandlungen platzten schnell. Handelseinig wurde man schließlich mit Eignern in Feldkahl-Rottenberg.
War also schon die Geländesuche ein zeitraubendes Geschäft, so zog sich die behördliche Genehmigungsprozedur über viele Monate hin. Schnell erkannte der Vorstand, dass die Hürden für die Genehmigung einer 18-Loch Anlage derzeit unüberwindlich waren. Dem Antrag auf Bau eines 9-Loch Platzes wurde schließlich 1980 stattgegeben.
Jetzt schlich sich in den jungen Club ein wenig Angst vor der eigenen Courage ein: Würde man mit dieser kleinen Mitgliederzahl überhaupt die Finanzierung auf die Beine stellen können? Doch Risiko und Herausforderung wurden angenommen.
Was jetzt zählte, waren Organisationstalent und Eigenleistungen. Mit Ehrgeiz und Elan verschrieben sich Vorstand und Mitglieder ihrem "Unternehmen Golfplatz". Ein glücklicher Zufall spielte unseren Freunden in die Hände: Die U.S. Armee war in diesen Jahren noch vor Ort. Jupp Rauth, Bad Orber Freund und Helfer der Aschaffenburger Golfplatzbauer kannte hier die richtigen Leute. Zu einer "Winterübung" rückten die U.S. Pioniere mit 4 Planierraupen an und bewegten im November 1980 die Erdmassen zu Fairways, Abschlägen und Bunkern. Dass die Gis von vielen Helfern mit Speis' und Trank bei Laune gehalten wurden, passt in das Bild der enormen Einsatzfreude, die die Mitglieder der ersten Stunde auszeichnete. Derselbe Geist der Zusammenarbeit spricht aus der konzertierten Steinesammelaktion, die nötig wurde, weil die Erdarbeiten aller Orten Steine und Geröll nach oben befördert hatten.
Wer mag den Stolz aller Beteiligten ermessen, als im Frühjahr 1982 die ersten Bälle auf eigenem Platz fliegen konnten?
Die Kunde von dem wunderschön gelegenen neuen Golfplatz und von kompetenten Lehrmeistern machte schnell die Runde und führte zu rasantem Mitgliederanstieg.
Die folgenden Jahre gehörten dem Sport und der Verbesserung der individuellen Spielstärke. Damen- und Herrengolfnachmittage entwickelten sich zu beliebten Veranstaltungen, und die Mannschaft konnte sich bei den bayerischen Mannschaftsmeisterschaften mit den Besten messen.
Das Schutzhäuschen - vergnügter Treffpunkt nach dem Spiel - platzte mittlerweile aus allen Nähten. Ein ausgewachsenes Clubhaus musste her. Wieder waren Einsatzfreude, Kreativität und Organisationstalent gefragt. Die Verwirklichung konnte nur gelingen, weil viele Mitglieder mit Bausteinen und Spenden die Finanzierung unterstützten. 1986 stand das Haus und fügte sich harmionisch in die Landschaft.
So stand alles zum Besten, als Ernst Brönner im November 1987 seine Vorstandsarbeit beendete. Dr. Reinhard Lohse wurde zu seinem Nachfolger gewählt. Er nahm mit seinem Team das in Angriff, was schon zuvor die Vorstände und viele Mitglieder umgetrieben hatte: Den Ausbau des Platzes auf 18 Löcher.
Es galt zunächst das Verdikt aufzuweichen, das seinerzeit mit der Baugenehmigung für 9 Löcher gekoppelt war und einen Erweiterungsbau außchließen sollte. Viel Überzeugungsarbeit musste geleistet werden, um hier ein Umdenken zu erreichen. 29 Behörden wurden konsultiert. Deren Stellungnahmen waren zwar uneinheitlich, fielen aber in ihrer Gesamtheit ermutigend aus. Bedenken bestanden besonders seitens des Landratsamtes, das auf dem infrage stehenden Areal allenfalls eine 12 bis 14- Loch Anlage befürwortet hätte. Auf der suche nach "golftauglichem" Gelände kristallisierte sich schon damals als 1. Alternative unser heutiges Haupterweiterungsterrain heraus. Dieses war jedoch seinerzeit als Restmülldeponie im Gespräch. Zudem zerfiel es in etwa 40 Parzellen und wurde noch intensiv landwirtschaftlich genutzt. Die Landbeschaffung dort galt nach Gesprächen mit den Eignern als sehr unsicher. Entscheidend für die Umorientierung des Clubs war jedoch, dass seitens der Gemeinde die Ablehnung dieser Planung signalisiert wurde. Die Bemühungen des Vorstandes konzentrierten sich fortan auf ein Gelände in der Gemarkung Feldkahl, für das ebenfalls eine Vorplanung des Landschaftsarchitekten Weißhaupt vorlag. Da mit der Zustimmung zum Raumordnungsverfahren im Juli 1990 die erste Hürde zügig genommen werden konnte, wuchs der Optimismus, schon im Spätsommer 1992 den Spielbetrieb auf der erweiterten Anlage aufnehmen zu können. Doch der Weg durch die Instanzen stagnierte. Vorbedingung für die Bewilligung unseres Bauantrages war die Zustimmung zur Änderung des Flächennutzungsplanes durch die Gemeinde. Bedingt durch Bedenken zweier von 25 Trägern öffentlicher Belange sowie einiger Bürger erfolgte diese erst im Oktober 1993. Endlich am 31. März 1994 war die Baugenehmigung da. Zum Aufatmen und Jubilieren war trotzdem kein Anlass. Bedenklich stimmten die Einsprüche einiger Nachbarn und die Tatsache, dass verschiedene Eigner die Pachtverlängerung versagten beziehungsweise nicht bereit waren, Schlüsselgrundstücke des Erweiterungsgeländes zu verkaufen.
Zu allem Unglück gab es dann noch die Hiobsbotschaft vom Oktober 1993 zu verkraften: Der Feuerteufel hatte unser Clubhaus in Schutt und Asche gelegt. Darüber hinaus führte die Wasserknappheit in der Region zum Bewässerungsverbot. Der Vorstand um Dr. Lohse sah sich also 1994 einer Fülle von Problemen gegenüber, deren Bewältigung eigentlich außerhalb der normalen Führung eines Clubs liegt und die die Mobilisierung aller Kräfte erforderte. Es galt, das Clubhaus zügig wieder aufzubauen, Unabhängigkeit von der öffentlichen Wasserversorgung zu erlangen sowie die Erweiterung zu einem guten Ende zu bringen.
Nach großen Anstrengungen aller Beteiligten und der kostenlosen Planung und Baubegleitung unseres Mitgliedes Fritz Brönner konnte schon im März 1995 die Einweihung es neuen Clubhauses gefeiert werden. Auch die Autarkie von der öffentlichen Wasserversorgung wurde erfolgreich eingeleitet. Viele Bedingungen mussten erfüllte werden und Speicherteiche wurden angelegt. Hinsichtlich der Platzerweiterung blieb die Aussicht auf jahrelange Streitigkeiten im Bemühen um das fehlende Land.
Nach mehr als sieben Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit zum Wohle des Clubs schied Dr. Lohse im März 1995 aus dem Amt. Die nachfolgende Vorstandsperiode und Dr. Gert Hewig stand ganz im Zeichen der Neuorientierung:
Eingedenk möglicher mehrjähriger Verwaltungsverfahren gegen die Einsprüche suchte der neue Vorstand nach Alternativen. Im Visier lag unter anderem wieder das Gebiet Essbach (heutige Löcher 12-17), dessen Umwidmung zur Restmülldeponie nach Bürgerprotesten aufgegeben worden war. Zudem wurden viele landwirtschaftlich genutzte Flächen stillgelegt, so dass dieser Ansatz dem Vorstand vielversprechend erschien. Nach ersten Gesprächen mit den Eignern war die Resonanz äußerst ermutigend. Jedenfalls sollte ein neuer Bauantrag erst gestellt werden, wenn die Grundstücksfrage geklärt war. Roman Kehlert, im Vorstand zuständig für diese heikle Aufgabe, startete sein Mammutprogramm: Von mehr als 50 Eignern aus den Gebieten Essbach und Mehlgrube (heutige Löcher 10, 11 und 18) mussten in Einzelgesprächen Pachtoptionen erworben werden. Mit Geschick, Hartnäckigkeit und Konzilianz gelang es Roman Kehlert eine Option nach der anderen unter Dach und Fach zu bekommen. Inzwischen hatte der Gemeinderat die Bauvoranfrage positiv beschieden. Jetzt konnten Nägel mit Köpfen gemacht werden: Im Juli 1997 wurden nicht nur die Unterlagen für das Raumordnungsverfahren eingereicht, sondern parallel dazu wurde bei der Gemeinde Hösbach der Antrag zum Bau eines 6-Loch Übungsgeländes gestellt. Für letzteren erhoffte man sich ein zügiges Genehmigungsverfahren, war doch das Gelände Teil der alten Erweiterungsplanung.
Schon im Frühjahr 1998 - Roman Kehlert war nach dem Ausscheiden von Dr. Gert Hewig bei den turnusmäßig stattfindenden Vorstandswahlen zum Präsidenten gewählt worden - lag die Baugenehmigung für das Übungsgelände vor. Auch der positive Abschluss des Raumordnungsverfahrens konnte -mit Auflagen zwar - vermeldet werden. Bei aller Euphorie gab es dann erst mal einen heftigen Dämpfer: Der Bauantrag wurde von der Gemeinde zunächst abgelehnt.
Dann kam der 16. April 1999. Dieses Datum wird als Meilenstein in die Annalen des Clubs eingehen: Es war der Tag, an dem die Baugenehmigung erteilt wurde. Der Vorstand sah seine nie erlahmende Zuversicht bestätigt. Gegen alle Unkenrufe und skeptische Begleitmusik war es nicht nur gelungen, den Konsens mit den Behörden zu erreichen. Eine gewaltige Leistung war es auch, alle Mitglieder vom Sinngehalt der über die Erweiterung hinausgehenden Investitionen zu überzeugen. Das Kalkül, mit einer großzügig dimensionierten Golfanlage nicht nur Ansporn und Anreiz der langjährigen Mitglieder zu fördern, sondern auch als Magnet für neue Mitglieder zu wirken, ging auf. Schlag auf Schlag folgten jetzt die Freudenfeste:
Spatenstich am 1. Mai 1999 mit unmittelbar anschließendem Baubeginn.
Einweihung des Übungsgeländes am 23. Juni 1999.
Richtfest Clubhaus-Anbau 7. April 2000.
Die Bauarbeiten machten schnelle Fortschritte. Dank des intensiven Einsatzes der Firma Majuntke wurden die Pläne des Landschaftsarchitekten Weishaupt zügig umgesetzt. Auch das Verbindungsproblem zwischen den Spielbahnen konnte durch die von Wolfgang Felser initiierte Tunnelspendenaktion elegant gelöst werden. Das Budget gab sogar noch die Erweiterung der Driving Range her.
Die Vision von einem 18-Loch Platz für den Aschaffenburger Golfclub wurde am 23. Juni 2000 Wirklichkeit. Wie selbstverständlich genießen wir heute unseren schönen Platz, dessen Attraktivität durch Bepflanzungen, Bodenkultivierung und Verbesserungen von Jahr zu Jahr zunimmt. Lang und dornig war der Weg zum Ziel, und wir danken es unserem Vorstand unter seinem Präsidenten Roman Kehlert, dass der Weg nicht das Ziel blieb.
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